Manon
*26.6.1946 Bern.
Foto- und Performancekünstlerin. Environment, Installation.
Besuch der Kunstgewerbeschule St. Gallen, anschliessend Schauspielakademie Zürich. Ab 1970 Entwürfe für Show-Kostüme. 1974 erster Auftritt in der Zürcher Kunstszene mit Das lachsfarbene Boudoir. Zahlreiche Environments und Performances, beispielsweise Das Ende der Lola Montez 1975 im Kunstmuseum Luzern. Zwischen 1978 und 1980 verschiedene Stipendien; längerer Aufenthalt in Paris, wo sich Manon der inszenierten Fotografie zuwendet. Es entstehen drei wichtige Fotoserien: Dame au crâne rasé (1978), Elektrodiagramm 304/303 (1978) und Ball der Einsamkeiten (1980). Ab 1982 Ablösung der Selbstbespiegelung durch interaktives Rollenspiel (Das Doppelzimmer, 1982). Nach längerem Rückzug 1990 Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen mit der Fotoserie Manon Künstler Eingang und der Installation Damenzimmer. In den jüngsten Arbeiten Verzicht auf die Darstellung der eigenen Person. Manon lebt und arbeitet in Zürich.
Werkwürdigung:
Seit Beginn ihres künstlerischen Schaffens sind in Manons Performances, Fotobildern und Installationen ihre eigenen Lebenserfahrungen in konsequenter Weise eingeschrieben. In den frühen Performances stellt sie sich selbst in einer Gratwanderung zwischen Selbstoffenbarung und Versteckspiel als Kunstprodukt dar; 1977 verabschiedet sie sich in The Artist Is Present mit 15 lebenden Doubles von der Live-Performance.
In den folgenden fotografischen Selbstinszenierungen, vor allem in Ball der Einsamkeiten von 1980, thematisiert die ehemalige Schauspielerin und Modeschöpferin sowohl den Maskerade-, Schutz- und Fetischcharakter der Kleidung als auch die Körpersprache als Mittel der Selbstrepräsentation und Identität. Als Schaustellerin eigener und fremder Projektionen versucht Manon, das weibliche Schönheitsideal durch die Strategien der Überhöhung oder Umkehrung zu unterwandern. Der Einbezug des Androgynen bildet einen weiteren Versuch, den Handlungsspielraum als Frau zu erweitern. Manons erstaunliche Präsenz in europäischen Frauenmagazinen während der 80er Jahre spiegelt die Aktualität ihres Themas: Nicht der Kampf um eine andere Sichtweise ist das Ziel, sondern das erotische Begehren des eigenen Körpers: Das Männliche wird nun zum Gegenüber, das sowohl Anpassung als auch Auflehnung auslösen kann; die Geschlechterrollen werden austauschbar.
Die Fotoserien der 90er bieten sich nicht mehr als Identifikationsmuster an, sondern erzählen von Lebenserfahrungen, welche den Tod miteinbeziehen. Vom rebellischen, schrillen Aufbegehren in den 70er Jahren ist Manon zu einer Thematisierung existenzieller Schnittstellen des Lebens gelangt, in der sie auf archetypische Metaphern und Symbole zurückgreift.